Über den „feinen“ Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung

Vor fünf Jahren begab es sich, dass eine Sozialdemokratin Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden werden wollte.

Um sie zu unterstützen eilte seinerzeit Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, ebenfalls Sozialdemokratin aus Berlin herbei und stattete unter anderem dem Verein Malwina e.V. in der Äußeren Neustadt einen Besuch zum Pressetermin ab.

Ich nutzte die Gelegenheit, um sie zu den Themen Gleichberechtigung und Gleichstellung zu befragen und erhielt recht aufschlußreiche Antworten, die nach der Entscheidung des Thüringer Verfassungsgerichtes zum Paritätsgesetz nichts an Bedeutung verloren haben.

Grüne im Zebrakostüm: der Wolf im Schafspelz

Erneut erregte ein Artikel in den Dresdner Neuesten Nachrichten meine Aufmerksamkeit und veranlasste mich zu einer kleinen Recherche.

Artikel aus den DNN vom 10. Dezember 2019

Eine Debatte (von französisch débattre „(nieder-)schlagen“) ist ein Streitgespräch, das im Unterschied zur Diskussion formalen Regeln folgt und in der Regel zur inhaltlichen Vorbereitung einer Abstimmung dient. Thema einer Debatte kann eine Sach- oder eine Personalfrage sein.

Zitat aus Wikipedia ( Stand 11. Dezember.2019)

Eine kurze Recherche mit einer bekannten Suchmaschine ergab, dass Mathias Greuner Inhaber eines Dackdeckerbetriebes – ebenfalls an der Boltenhagener Straße – ist.

Mein Bauchgefühl ließ mich die Kandidatenliste für den Stadtrat bzw. den Stadtbezirksbeirat Klotzsche nach dem Namen „Greuner“ suchen, und ich wurde fündig: eine Kandidatin der Grünen unter gleicher Adresse.

Das Bauchgefühl der Zebras hingegen trügt insoweit, als dass in den letzten drei Jahren – laut Unfallatlas – genau NULL Verkehrsunfälle mit Personenschaden bei Fußgängern zu verzeichnen waren.

Die Digitalisierung nimmt keine Rücksicht auf grüne Lügen, egal wie oft sie wiederholt werden

Im Mai 2019 gingen die Grünen weniger subtil vor, als sie – ebenfalls unter Zuhilfenahme von Zebrakostümen – forderten, die Fuß- und Schulwegesicherheit in Leubnitz-Neuostra zügig herzustellen.

Grüne Verkehrspolitik im Zebralook

Es lassen sich noch viele weitere Initiativen (Forderungen) der Grünen nach mehr Verkehrssicherheit finden. Komischerweise treffen die Grünen mit großer Zielgenauigkeit eben jene Stellen an denen gar keine Häufung von Unfällen (mit Personenschaden) auftritt. Diese bearbeitet nämlich regelmäßig die sogenannte Unfallkommission in Dresden, die sich – gesetzlich vorgeschrieben – jährlich um bis zu 300 Unfallschwerpunkte und deren Entschärfung kümmert. Zuletzt war im Juli 2017 von deren Arbeit folgendes zu lesen:

Durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung im Dezember 2016 kann jetzt innerorts auch auf Hauptverkehrsstraßen im Bereich sensibler Einrichtungen, wie Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern, die Geschwindigkeit auf Tempo 30 beschränkt werden. Zahlreiche Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern dazu liegen dem Straßen- und Tiefbauamt vor. Erste Schilder wurden aufgestellt. Soweit die Verkehrszeichenregelungen nicht bereits in Kraft getreten sind, werden die erlassenen verkehrsrechtlichen Anordnungen zeitnah umgesetzt.

Mit etwa 90 Standorten befasst sich die Straßenverkehrsbehörde, von Amts wegen sowie auf Grund von Anfragen.

Für 34 Standorte ist die Prüfung abgeschlossen. An 56 Standorten läuft die Prüfung noch.

Bei den abgeschlossenen Fällen wurden an 16 Standorten Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 30 km/h erlassen.

Zitat aus der Pressemitteilung vom 13. Juli 2017

Die Grünen brechen sämtliche Regeln einer (gepflegten) Debatte und versuchen die Politik zu emotionaliseren. Ich halte das für eine vorübergehende Mode und setze auf die Selbstheilungskräfte (gegenüber Totalitarismus) in unserer Gesellschaft.

Sapere aude!

Verkehrspolitik für Zebras und andere Herdentiere

Vor einigen Jahren wurde – auf Antrag der Grüninnen – eine Plattform für e-Petitionen eingerichtet, auf der sich (Dresdner) Bürger mit ihren Anliegen an die Stadtveraltung und/oder an den Stadtrat wenden können. Es war natürlich schon vorher die Möglichkeit – offline – Petitionen einzureichen und die Pflicht von Stadtverwaltung bzw. Stadtrat (Petitionsausschuss) in angemessener Zeit darauf zu antworten.

Laut deutschem Petitionsrecht hat jeder (Deutsche) das Recht sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen mit einer Petition an staatliche Stellen zu wenden. Dabei macht es für die letztendliche Entscheidung, ob der Petition ganz oder teilweise stattgegeben wird, keinen Unterschied wie viele Menschen sich der Petition durch Mitzeichnung angeschlossen haben.

Die Plattform für e-Petitionen ermöglicht es allerdings, dass andere Menschen – ohne weiteres Zutun des Petenten – überhaupt Kenntnis von der Petition erhalten und diese dann gegebenenfalls online und sehr barrierearm durch eine Mitzeichnung unterstützen können.

Wenn man sich nun die eingereichten und veröffentlichten Petitionen genauer ansieht, kann man feststellen, dass sich eine Vielzahl der Petition mit dem Thema Verkehr beschäftigt, von den 15 aktuellsten sind es 12.

Ich habe mir die Petitionen angeschaut und stellvertretend für viele weitere neun herausgesucht:

Das Zebra-Hecht-Viertel

Die Petition „Zebras im Hecht! Zebrastreifen und bessere Fußgängerbedingungen im Hechtviertel Dresden“ wurde am 30. November 2019 vom (lokal) sehr bekannten Blog „Neustadt-Geflüster“ vorgestellt bzw. beworben.Sie erreichte bisher (Stand 3. Dezember 2019, 17.20 Uhr) 472 Mitzeichner . Darin heißt es u.a.

Der Verkehr im Dresdner Hechtviertel soll fußgängerfreundlicher gestaltet werden.

Um den motorisierten Verkehr durch das Hechtviertel zu verlangsamen, den Lärmpegel und die Luftverschmutzung im Wohngebiet zu senken und die Querung der Straßen besonders für Schulkinder zu vereinfachen, fordern wir die Einrichtung von mindestens vier Zebrastreifen (=Fußgängerüberwege) auf der Rudolf-Leonhard-Straße zwischen Buchenstraße und Bischofsplatz an für Fußgänger relevanten Stellen.

Zitat aus der Petition „Zebras im Hecht! Zebrastreifen und bessere Fußgängerbedingungen im Hechtviertel Dresden“

Insgesamt fordert die Petentin mindestens 10 Zebrastreifen und die „Umsetzung von drei dauerhaften Querungshilfen für Fußgänger, an Stellen, die derzeit nicht sicher zu queren sind und damit wichtige Verbindungswege blockieren“ Laut Vermessung im Themenstadtplan hat das „betroffene“ Gebiet eine Größe rund 20 Hektar.

Das statistische Bundesamt veröffentlichte am 19. August 2019 aktualisierte Daten zu Verkehrsunfällen mit Personenschaden (Jahr 2018) im sogenannten Unfallatlas.

Über das Suchfeld (oben rechts) und die Postleitzahl (01097) gelangt man recht schnell zum Hechtviertel und kann anhand der gelben und/oder roten Punkte sehen, welche Verkehrsmittel bzw. -teilnehmer involviert waren. Ergebnis: Im Jahr 2016 kam es in besagtem Gebiet zu vier Unfällen zwischen PKW und Fußgängern zu Leichtverletzten. Im Jahr 2017 kam es bei Zusammenstößen von Fußgängern mit Kraftrad- bzw. Radfahrern zu jeweils einem Unfall. Im Jahr 2018 kam es laut Unfallatlas zu keinem verletzten Fußgänger in besagtem Gebiet.

Kartenausschnitt aus dem Unfallatlas – Unfälle im Zebra-Hecht-Viertel 2018

Was die Einrichtung von Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) angeht, so hat die Stadtverwaltung im Rahmen einer Pressemitteilung vom 29. April 2019 folgendes verlautbart:

Für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen (FGÜ) gelten die gleichnamigen Richtlinien der Bundesregierung. FGÜ dürfen insbesondere nur auf Straßenabschnitten mit durchgängiger zulässiger Höchstgeschwindigkeit von maximal 50 km/h angelegt werden. FGÜ in Tempo 30-Zonen sind entbehrlich. Es darf nur ein Fahrstreifen je Fahrtrichtung überquert werden. Auf beiden Fahrbahnseiten muss ein Gehweg oder ein weiterführender Fußweg vorhanden sein. Sie dürfen nicht angelegt werden in der Nähe von Ampeln und auf Straßen mit Straßenbahnen ohne eigenen Gleiskörper und auch nicht im Verlauf eines gemeinsamen Fuß- und Radwegs. Schließlich müssen mindestens 50 Kraftfahrzeuge in der Spitzenstunde an einem Werktag gezählt werden und mindestens 200 Fußgänger in der Spitzenstunde die Fahrbahn queren.

Richtlinien der Bundesregierung zur Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen

Der Zellesche Weg: Vom Verkehrsraum zum Kommunikationsraum

Die Petition „Für einen Zelleschen Weg mit Grünem Wall, Bäumen und mehr Raum für Radfahrende und Fußgänger(P034/19) vom 6.Mai 2019 wurde von 5361 Personen mitgezeichnet und dürfte in dieser Hinsicht die „erfolgreichste“ Petition seit Einführung der e-Petitionen sein. Damit fiel sie in den Schlussspurt des Wahlampfes für die Kommunalwahlen am 26. Mai 2019, aus der die Partei der Grüninnen als größte Fraktion im #staDDrat hervorgingen.

Die erste Befassung mit der Petition fand am 15. Mai 2019, also 11 Tage vor der Kommunalwahl, und zwar nicht-öffentlich statt.

In einer zweiten, diesmal öffentlichen Befassung beschloss der Petitionsausschuss am 19. Juni 2019, also gut drei Wochen nach der Kommunalwahl, eine öffentliche Anhörung zur Petition durchzuführen und vertagte die Petition. Am 2. Oktober 2019 fand diese öffentliche Anhörung schließlich statt und ich wohnte ihr – als interessierter Bürger bei. Von den 5361 Personen, die diese Petition (online?) mitgezeichnet haben, war meines Wissens nach keiner anwesend. Dafür allerdings die Petentin Elke Zimmermann, eine ehemalige Stadträtin der Grüninnen, die seinerzeit (2013) aus beruflichen Gründen (Job als Teamleiterin in der unteren Denkmalschutzbehörde von Jena) ihr Mandat im Dresdner Stadtrat aufgab. Zur Kommunalwahl 2019 trat sie jedoch erneut an und bewarb sich auf Listenplatz 5 für ein Mandat im erstmals direkt gewählten Stadtbezirksbeirat Plauen.

Wie sagt der Franzose so schön? Honni soit ui mal y pense (zu deutsch: ein Schelm, wer Arges dabei denkt).

Ihr zur Seite stand bzw. saß ein junger Mann, der laut eigener Aussage Student der Verkehrswissenschaften ist und somit Sachkompetenz besitze.

Sicherheit, Aufenthaltsqualität und Ökologie statt überlebter Verkehrskonzepte – beschlossene Vorplanung für Zelleschen Weg nicht aufgeben

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,

hiermit appellieren die Unterzeichnenden an Sie, sich gegen den Antrag A0550/19 auszusprechen bzw. an die einreichenden Fraktionen, diesen zurückzuziehen und die Weiterplanung der Variante „Z2a optimiert“ entsprechend zu unterstützen.

Petitionstext zu P0134/19 (ohne Begründung)

Die Petitition – von einer mehr oder minder aktiven Politikerin der Grüninnen verfasst und eingereicht – richtet sich also konkret gegen einen Antrag des politischen Gegners (hier CDU und FDP) und kommt als moralischer Appell daher.

Der Rektor, zahlreiche Fakultäten und Institute, der Studentenrat der TU Dresden und die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek haben sich gegen den Antrag A0550/19 und für eine Fortsetzung der Planung auf Basis Variante „Z2a-optimiert“ ausgesprochen. Das Konzept einer „autogerechten Stadt“ hat sich nachweislich überlebt, daran festzuhalten, ist Dresden unwürdig.

Schlussabsatz der Begründung zu P0134/19

Die Anhörung selbst verlief ohne größeren Erkenntnisgewinn (für mich und die Anwesenden). Die Petentin führte – eher emotional – ihre Beweggründe und Ziele (der Zellesche Weg solle vom Verkehrsraum in Richtung eines Kommunikationsraumes für die Studenten, nein Studierenden werden!) aus, der ihr beisitzende, angehende Verkehrswissenschaftler ergänzte noch ein wenig. Die Fragen der Stadträte waren meiner Erinnerung nach eher belanglos, einzig die Vertreter der AfD konnten mit einigermaßen zielführenden Fragen glänzen.

Letztendlich war die Sitzungsleiterin, Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (DIe Linke), recht ratlos wie sie mit dem Abstimmungsergebnis (8 Ja, 8 Nein, 0 Enthaltungen) umgehen solle.

Das „offizielle Ergebnis“ lässt sich inzwischen im Ratsinformationssystem nachlesen. Dem Zwischenbericht zur Petition ist zu entnehmen, dass der Petition nicht abgeholfen werden kann, diese aber weiterhin im Geschäftsgang bleibt. Nun soll der Stadtrat zunächst über den Antrag A0550/19 von CDU- und FDP-Fraktion befinden. Danach solle der Petitionsausschuss die Petition erneut behandeln.

Das grüne Projektionstheater

Eine dritte Petition, deren Werdegang ich – zumindest in Ansätzen – verfolgt habe, ist die „für eine schönere Louisenstraße“.

Deren Wurzeln gegen zurück auf eine Instandsetzungmaßnahme, die am 28. Juni 2018 per Pressemitteilung angekündigt wurde:

Von Montag, 2. Juli, bis zum Freitag, 30. November 2018, wird die Fahrbahn der Louisenstraße zwischen Königsbrücker Straße und Förstereistraße instand gesetzt.

Die Fachleute wechseln eine Trinkwasserleitung mit Hausanschlüssen aus, verlegen neue Nieder-, Mittelspannungs- und Fernmeldekabel, erneuern Hausanschluss-Armaturen für Fernwärme, sanieren und erneuern den Abwasserkanal. Im Anschluss erhält die Fahrbahn neuen Asphalt. Während der Bauarbeiten ist der Straßenabschnitt für Fahrzeuge voll gesperrt. Eine Querung der Baustelle für Fußgänger ist jederzeit gewährleistet. Die Kosten betragen rund 350 000 Euro.

Auftraggeber sind das Straßen- und Tiefbauamt, die DREWAG NETZ GmbH sowie die Stadtentwässerung Dresden GmbH. Für die Umsetzung sind die Firmen SAZ GmbH – Straßenbau von A–Z, SPIE SAG GmbH sowie Sächsische Wasserbau- und Umwelttechnik Dresden zuständig.

Vollzitat aus der Pressemitteilung vom 28. Juni 2019

Diese absolut in die Verantwortung der Stadtverwaltung fallende Maßnahme rief nicht nur den Grüninnen-Stadtrat Johannes Lichdi auf den Plan, sondern auch einen Mitarbeiter des Projekttheaters auf der Louisenstraße.

Auf Initiative von Johannes Lichdi reichte die ehemalige selbsternannte Gestaltungsmehrheit aus #RGR (rot-grün-rot) am 7. September 2018 einen interfraktionellen Antrag mit dem Titel „Stadtteilangepasste Mobilitätsplanung für die Louisenstraße“ ein, der am 26. September 2019 mit einer recht deutlichen Mehrheit des Stadtrates beschlossen wurde. Dazwischen lag allerdings ein ablehnender Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung und Bau, was die unterlegene – nun schon ehemalige – selbsternannte Gestaltungsmehrheit dazu veranlasste den Antrag in den Stadtrat zu heben.

Erwähnenswert ist noch ein Ersetzungsantrag (PDF) der – seinerzeit drei – fraktionslosen Stadträte Graul, Schulte-Wisserann und Aschenbach, der u.a. ein streckenweises Fahrverbot für den motorisierten Individualverkehr (MIV) und einen Quartierbus forderte.

Zur Petition „für eine schönere Louisenstraße“ fand eine Informationsveranstaltung im Projekttheater statt, zu der ich – zumindest anfangs anwesend war. Zwischenzeitlich waren insgesamt 18 Gäste anwesend, von denen mindestens sechs entweder Grüninnen-Stadtrat, oder aber Grüninnen-Funktionär oder Grüninnen-Stadtbezirksbeirat waren (Lichdi, Schulze, Siebeneicher, Wesjohann, Schneider, Wacker). Nachdem ich meine Fragen und Einwände vorgebracht hatte, wechselten sich die Grüninnen darin ab, diese – meist faktenfrei, dafür aber hoch-emotional – entkräften zu wollen.

Mein Fazit

Man kann sich bei Petitionen heute nicht mehr fast sicher sein, dass irgendein Politiker, der keine eigenen Mehrheiten im demokratisch legitimierten Gremium (Stadtrat) findet, hinter einer Petition mit vielen Mitzeichnern steckt. Die Zahl der Mitzeichner sagt nichts über deren Qualität oder Sinnhaftigkeit aus, sondern nur darüber wie gut der Petent (oder sein kompetenter Einflüsterer) vernetzt ist. Unter der Vorgabe die Bürger mit Online-Petitionen besser zu beteiligen haben sich die Grüninnen (und andere) das Petitionsrecht unter den Nagel gerissen, um nicht vorhandene Mehrheiten im Stadtrat zum kompensieren und eine demokratische Legitimation vorzugaukeln, die Petitionen gar nicht haben können.

Ich möchte, dass ihr in Panik geratet

Die Verkehrs“politik“ der Spezialdemokraten

Zwei Meldungen der letzten Tage, die sich mit Verkehrspolitik beschäftigen, veranlassten mich zu einer kleinen Recherche.

SPD fordert mehr Verkehrssicherheit für Schulen an der Maxim-Gorki-Straße

In einem Artikel von „Pieschen-Aktuell“ vom 2. Dezember 2019 wird dem frisch gewählten SPD-Stadtrat Stefan Engel die Möglichkeit eingeräumt, seinen Verkehrs-Träumereien freien Lauf zu lassen. Es wird Bezug genommen auf eine Anfrage, die noch nicht (Stand 3. Dezember 2019, 13 Uhr) im Ratsinformationssystem auffindbar ist.

Dazu muss man wissen, dass den Fragestellern ein „Selbstdarstellungs-Fenster“ von einigen Tagen eingeräumt wird, bevor andere Stadträte und/oder die Öffentlichkeit Kenntnis von der Antwort der Stadtverwaltung erhalten.

Täglich müssen die jungen Leute und das Lehrpersonal hier mehrfach die Straße überqueren, auf der jeden Tag etwa 11.000 Autos unterwegs sind.

Im August 2019 hat das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass der sogenannte „Unfallatlas“ um die Daten zu Verkehrsunfällen für das Jahr 2018 ergänzt wurde. Ich habe mir diesen Unfallatlas etwas genauer angesehen und habe einige aufschlussreiche Daten und Fakten entdeckt.

Sämtliche von der Polizei erfassten Verkehrsunfälle werden im Unfallatlas auf einer Karte abgebildet. Klickt man auf die entsprechende Markierung einers Verkehrsunfalls, erfährt man, welche Verkehrsmittel bzw. -teilnehmer beteiligt waren und ob es Verletzte oder Tote gab. Außerdem lassen sich die (Roh-)Daten – pro Jahr – als Tabelle herunterladen.

Daraus geht hervor, dass es in den Jahren 2016 bis 2018 genau zwei Verkehrsunfälle mit Personenschaden gab:

An einem Unfall waren ein Fußgänger und ein Radfahrer beteiligt, an einem weiteren ein PKW, ein Fußgänger und ein sonstiges Verkehrsmittel, wahrscheinlich ein Linienbus, beteiligt.

Bei angenommenen 11.000 Fahrzeugen/Fahrten pro Tag auf dieser Strecke ergeben sich in drei Jahren rund 12 Millionen Fahrzeuge/Fahrten.

Ich habe mir die (Roh-)Daten für 2018 heruntergeladen, zunächst Sachsen, dann den Regierungsbezirk Dresden und zuletzt die Landeshauptstadt Dresden „extrahiert“. Aus den Daten für Dresden geht unter Anderem hervor, dass es 2218 (angezeigte) Unfälle mit Personenschaden gab. Darunter 1610 Unfälle mit Beteiligung eines (oder mehrerer) PKW, 1089 mit Beteiligung von Fahrradfahrern und 262 mit Beteiligung von Fußgängern.

Meine Analyse der Daten ergab weiterhin, dass es – im Jahr 2018 – 610 Unfälle mit Personenschaden unter Beteiligung von PKW/Fahrradfahrern, 164 mit PKW/Fußgängern und 56 mit Fahrradfahrern/Fußgängern in ganz Dresden gab.

Natürlich beschäftigen sich auch „Profis“ mit der Auswertung von Unfällen. In Dresden macht dies die Unfallkommission, die sich jährlich rund mit 300 Unfallhäufungsstellen befasst und konkrete Handlungsempfehlungen abgibt.

Eine Pressemitteilung vom 13. Juli 2017 geht näher auf die Arbeit der Unfallkommission ein und

Durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung im Dezember 2016 kann jetzt innerorts auch auf Hauptverkehrsstraßen im Bereich sensibler Einrichtungen, wie Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern, die Geschwindigkeit auf Tempo 30 beschränkt werden. Zahlreiche Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern dazu liegen dem Straßen- und Tiefbauamt vor. Erste Schilder wurden aufgestellt. Soweit die Verkehrszeichenregelungen nicht bereits in Kraft getreten sind, werden die erlassenen verkehrsrechtlichen Anordnungen zeitnah umgesetzt.

Mit etwa 90 Standorten befasst sich die Straßenverkehrsbehörde, von Amts wegen sowie auf Grund von Anfragen. Für 34 Standorte ist die Prüfung abgeschlossen. An 56 Standorten läuft die Prüfung noch.
Bei den abgeschlossenen Fällen wurden an 16 Standorten Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 30 km/h erlassen.

Zitat aus der Pressemitteilung vom 13. juli 2017

Statt also die Arbeit der Unfallkommission zu beleuchtenund tatsächliche Unfallhäufungsstellen in den Fokus zu nehmen, ergeht sich die Dresdner SPD-Fraktion – aufgrund einer läppischen Anfrage – in billigem Populismus. Von einem Antrag ist – selbst am Horizont – nichts zu sehen. Das mag daran liegen, dass die Einführung von Tempo 30-Zonen allein der (unteren) Straßenverkehrsbehörde und unter Heranziehung von Fakten erfolgt und nicht etwa aufgrund von Forderungen einer ehemaligen Volkspartei.

Laufveranstaltungen behindern Radverkehr: SPD-Fraktion fordert bessere Abstimmung

Die zweite Meldung, die sich mit dem Thema Verkehr beschäftigt, kommt von der Dresdner SPD-Fraktion, die sich in einer Pressemitteilung vom 2. Dezember 2019 gegen eine frühzeitige Absperrung von (Radfahr-)Strecken im Zusammenhang mit Laufveranstaltungen ausspricht.

Zwar wurde die Antwort der Stadtverwaltung (vom 19. November 2019) auf die Anfrage des SPD-Stadtrats Stefan Engel ebenfalls noch nicht im Ratsinformationssystem veröffentlicht, allerdings wurde sie (als PDF-Datei) der Pressemitteilung angefügt.

Ein Screenshot aus der Antwort der Stadtverwaltung offenbart die Faktenresistenz der Spezialdemokraten:

Antwort der Stadtverwaltung auf AF0112/19 von Stefan Engel

Mein Fazit

Die SPD ist abgehalftert und auf dem Straßenstrich angekommen

Frauenförderung in Schilda

Wie bereits in meinem Beitrag „Photovoltaik in Schilda“ geschildert, lässt sich im Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt Dresden auch auf eine zehnjährige Historie der Frauenförderung zurückblicken.

Anlass für diesen Blogbeitrag ist ein Antrag der Partei Die Linke vom 29. März 2019 mit dem Titel

Mehr Frauen in Führungspositionen

Der Antrag zielt darauf ab den – unzweifelhaft bestehenden – Unterschieden zwischen dem Frauenanteil in den Belegschaft der städtischen Eigenbetriebe und Gesellschaften und dem in den jeweiligen Führungsetagen auf den Grund zu gehen und in einem zweiten Schritt zu beseitigen.

Dieser Antrag hat eine Reihe von Vorgängern, die ich hier aufzählen und (kurz) beschreiben möchte

Am 10. Februar 2013 reicht die SPD-Fraktion den Antrag A0696/13 Gleiche Chancen für alle – Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren in der Stadtverwaltung ein. Dieser wurde zunächst im Ausländerbeirat, im Seniorenbeirat, im Behindertenbeirat und im Ausschuss für Allgemeine Verwaltung, Ordnung und Sicherheit nicht-öffentlich beraten, bevor er zum ersten Mal am 16. April 2014 auf der Tagesordnung des Stadtrates landete. Nach insgesamt drei Vertagungen dort, zog ihn die SPD-Fraktion am 17. September 2014 zurück, bevor er auch nur einmal öffentlich beraten wurde.

Davon unabhängig ging die Stadtverwaltung in die Spur und erarbeitete eine Stellungnahme – genannt Vermerk – ohne dass der Antrag beschlossen worden war. Das dürfte meiner Kenntnis nach ein Präzedenzfall sein bzw. werden. Dieser lässt sich jedoch nicht (mehr) im Ratsinformationssystem finden.

Ans Licht kam dieser Umstand durch eine Anfrage von Norbert Engemaier (Fraktion Die Linke), der seinerzeit für die Piraten in den Stadtrat eingezogen war und zwischenzeitlich – so gar nicht transparent, um nicht zu sagen klamheimlich – zur Partei Die Linke rübergemacht hat. Er wollte am 21. April 2015 wisse, wie es um Anonyme Bewerbungsverfahren in Stadtverwaltung und Beteiligungen (AF0481/15) steht.

Die Antwort der Stadtverwaltung, namentlich des damaligen ersten Bürgermeisters Dirk Hilbert,hat es in sich und kann in einer sieben-seitigen PDF-Datei nachgelesen werden.

Am 12. Februar 2016 war es erneut Norbert Engemaier (Die Linke), der in der Anfrage AF0968/16 etwas über den Anteil von Frauen in städtischen Beteiligungen wissen wollte. Er bekam am 3. März 2016 eine Antwort (pdf) in Form einer tabellarischen Übersicht.

Am 25. Februar 2016 beschloss der Stadtrat mit übergroßer Mehrheit – im Zusammenhang mit dem Beteiligungsbericht 2014 (V0765/15) – einen Ergänzungsantrag von Die Linke vom 10. Dezember 2015:

4. Im Beteiligungsbericht sind unter den Bilanz- und Leistungskennzahlen die Frauenanteile in der Gesamtbelegschaft und in den Führungsebenen der jeweiligen Beteiligungen auszuweisen und im schriftlichen Berichtsteil näher zu erläutern.

Mit zwei bzw. drei weiteren Anfragen (AF1649/17, AF1797/17 und AF2921/19) versuchte Tilo Kießling (Fraktion Die Linke) die Umsetzung einer schriftlichen Erläuterung im Rahmen der Beteiligungsberichte durchzusetzen.

Darauf antwortete Oberbürgermeister Dirk Hilbert folgendes:

Erläuterungen der Frauenanteile, die nicht nur eine Wiedergabe der Zahlenangaben darstellen, müssten Ursachen der Beschäftigtenstruktur aufzeigen. Dies ist jedoch im Rahmen des Beteiligungsberichtes weder möglich noch notwendig. Hierzu müssten für jedes Unternehmen Organisationsuntersuchungen und Strukturanalysen beauftragt werden. Subjektive Einschätzungen der Geschäftsführungen oder des Beteiligungsmanagements dürften hingegen nicht belastbar sein.
Die Umsetzung des zweiten Halbsatzes wird auch in künftigen Beteiligungsberichten nicht möglich sein.

Zitat aus der Antwort des Oberbürgermeisters auf AF2921/19 (pdf)

Was haben die vielen Initiativen, die – soweit ich das überblicken kann – ausschließlich von der SPD-Fraktion und von der Fraktion Die Linke kamen, gebracht?

Seit dem Beteiligungsbericht 2015 werden unter den Finanzdaten auch die Frauenanteile der Gesamtbelegschaft der städtischen Eigenbetriebe und Gesellschaften. Außerdem werden die prozentualen Anteile von Frauen in der – soweit vorhanden – ersten und zweiten Ebene nach der Geschäftsführung angegeben. Was (leider) fehlt, ist die Angabe der absoluten Zahlen, was eine Interpretation eher erschwert.

Eine Darstellung würde den Rahmen dieses Blockbeitrages sprengen, sodass ich zusammenfassen werde bzw. „muss“.

Die Beteiligungsberichte von 2004 bis 2017 lassen sich auf der Webseite der Landeshauptstadt als PDF-Datei herunterladen. Beispielhaft habe ich im Folgenden einige Seiten aufgeführt, aus denen hervorgehen dürfte, dass es keine (pauschele) Benachteiligung/Diskriminierung von Frauen in städtischen Eigenbetrieben/Gesellschaften gibt, sondern – im Gegenteil – eine teilweise Bevorzugung von Frauen daraus ersichtlich wird.

Einen wesentlich differenzierteren Einblick in die Beschäftigtenstruktur der (Kern-)Verwaltung bieten die sogenannten Frauenförderberichte der Landeshauptstadt Dresden,von denen mir die zwei letzten vorliegen.

Darin lässt sich auf Seite 7 (von 25) folgende Grafik finden, aus der hervorgeht, dass allein bei den 35 Amtsleiterstellen eine Unter-Repräsentanz von Frauen vorliegt: 2017 waren „nur“ 11 von 35 Amtsleiter weiblich (31,42%), während über die gesamte (Kern-)Verwaltung mit 6.913 Stellen 60,7% der Stellen mit Frauen besetzt waren.

Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass knapp ein Zehntel aller Stellen auf das Brand- und Katastrophenschutzamt entfallen, wo männliche Feuerwehrleute rund 92% der Belegschaft ausmachen.

….. wird heute Abend fortgeführt, muss arbeiten gehen 😀

Photovoltaik in Schilda?

Seit 2011 verfolge ich das Treiben des Dresdner Stadtrates. Sei es durch den Besuch von dessen monatlichen Sitzungen vor Ort oder per Livestream, oder durch das Studium der Vorlagen und Anträge im Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt Dresden.

Zu den ersten Anträgen,an Dich ich mich erinnere, gehört einer der SPD-Fraktion aus dem Oktober 2011, der den Titel Vorbildfunktion der Stadt Dresden erfüllen – Errichtung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Rathausdach trug.

Der Beratungsfolge lässt sich entnehmen,dass der Antrag sowohl im Ortsbeirat Altstadt, als auch in den Ausschüssen für Umwelt, für Kultur, für Wirtschaftsföderung, für Stadtentwicklung und Bau und im Ausschuss für Finanzen insgesamt 17 mal auf der Tagesordnung stand. Da die beratenden Ausschusssitzungen nicht-öffentlich sind, liegen keine Niederschriften darüber (öffentlich) vor.

Die berühmte Ausnahme stellt in diesem Fall der Ortsbeirat Altstadt dar, dessen Sitzungen – wie die aller anderen Ortsbeiräte auch – öffentlich sind. Der Niederschrift zur Sitzung ist eine Zusammenfassung zu entnehmen:

Der SPD-Antrag wurde am 12. Juli 2012 mit großer Mehrheit beschlossen:

Nach knapp zwei weiteren Jahren der Prüfung teilte die Stadtverwaltung den Stadträten in der abschließenden Beschlusskontrolle (pdf) vom April 2013 genau das mit, was sie bereits drei Jahre zuvor festgestellt hatte:

Als Fazit muss festgestellt werden, dass die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Rathausdach denkmalschutzrechtlich weiterhin nicht zulässig ist.

Zitat aus der Beschlusskontrolle vom 4. April 2013

Jetzt aber zurück auf „Anfang“:

Der erste photovoltaische Versuch, der im Ratsinformationssystem zu finden ist, ist ebenfalls ein SPD-Antrag: Initiative „500-Solardächer-Programm“ vom 5. September 2009

Der Niederschrift – eine Beschlussausfertigung ist nicht zu finden – lässt sich folgender, nur im Zieldatum geänderter Beschlusstext finden:

Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, die Initiative für ein „500-Solardächer- Programm“ in Dresden zu ergreifen und bis zum 1. Juli 2010 ein Umsetzungskonzept dafür vorzulegen.

Dem Ratsinformationssystem ist nicht zu entnehmen, was aus dem beschlossenen Antrag geworden ist.

Als Nächstes war Bündnis ’90/Die Grünen im März 2010 mit einer Solar-Initiative am Start: Solarstadt Dresden – Innovations- und Investitionsförderung für Wirtschaft und Klimaschutz

Nicht nur der Antragstext selbst – nur der wird beschlossen – sondern auch und vor allem die Begründung haben es in sich. Eher unfreiwillig liefern die Grünen selbst einen – damals aktuellen – Zwischenstand zum Ausbau der Photovoltaik in Dresden ab:

Unfreiwillig vor allem deshalb, weil dadurch folgende kleine Nebensächlichkeit bekannt wurde:

Dresden ist eine der ersten Kommunen, die für ihre Bürger die Möglichkeit der kostenfreien Nutzung von Dachflächen öffentlicher Gebäude geschaffen hat. Durch diese Entscheidung wurden mittlerweile über 20 Bürgersolaranlagen im Stadtgebiet errichtet, welche damit einen Beitrag für Investitionen und Wertschöpfung in der Solarwirtschaft geleistet haben.

Nach einer relativ kurzen bzw. schnellen Beratung in den Gremien (Ausschuss für Umwelt und Kommunalwirtschaft, Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau, Ausschuss für Wirtschaftsförderung) kam der Antrag zur Beschlussfassung in den Stadtrat. Dort wurde er – warum auch immer – zwei mal vertagt. Am 23. September 2010 schließlich beriet der Stadtrat ausführlich und stimmte punktweise ab, sodass am Ende folgender Beschluss gefasst wurde:

Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt,

1. die solar optimierte Bauleitplanung bei der Ausweisung neuer Baugebiete anzuwenden, um die aktive und passive Solarenergienutzung möglichst effizient zu gestalten.

2. ein Solardachkataster für die gesamte Landeshauptstadt Dresden aufzubauen und der Öffentlichkeit über das Internet zugänglich zu machen.

Da auch hierzu kein Beschlusstext im Ratsinfo zu finden war, habe ich die Niederschrift (pdf) zur Sitzung herangezogen, die einige erhellende Argumentationslinien und ein wildes Abstimmungsgefecht aufweist:

Ein weiterer Antrag der Grünen aus dem August 2010 mit dem Titel „Dresdner Solarbranche unterstützen – radikale Absenkung der Einspeisevergütung verhindern“ wurde vom Einreicher zurückgezogen. Wahrscheinlich, weil die Regulierung der Einspeisevergütung nun beim besten Willen nicht in die Kompetenz des Stadtrates fällt.

Dann war im April 2011 wieder die SPD mit einem Antrag (A0396/11) dran: Nutzung erneuerbarer Energien verbessern – Bürgersolargemeinschaft gründen!

Nach einem eher längeren Gang durch die Gremien wurde dieser am 19. Januar 2012 abgelehnt

Ein weiteres Jahr ging ins Land und nun wollte Albrecht Pallas (SPD) am 23. Januar 2013 wissen, was denn nun aus der Solaranlage auf dem Rathausdach geworden ist. Im Rahmen der Stadtratssitzung am darauf folgenden Tag bekam er mündlich und vor dem gesamten Stadtrat eine Antwort, am 8. Februar 2013 erfolgte eine schriftliche (pdf):

Zur Stadtratssitzung am 11. Juli 2013 war es erneut Albrecht Pallas (SPD), der im Rahmen der Fragestunde etwas in Bezug auf Photovoltaik wissen wollte. Es ging um den Rückbau von Anlagen auf zwei Dresdner Schulen:

Zur Stadtratssitzung am 12. Dezember 2013 wollte dann Torsten Schulze (Grüne) etwas über Verzögerungen beim Abschluss eines Pachtvertrages für Solaranlagen auf Dresdner Kindertagesstätten wissen und bekam – wiederum vor dem gesamten Stadtrat und der geneigten Öffentlichkeit – Antwort. Die schriftliche Antwort (pdf) erfolgte dann am 19. Dezember 2013

Es dauerte ein knappes Jahr, dann war wieder im November 2014 Albrecht Pallas (SPD) mit einer Frage zu Photovoltaik an der Reihe. Er nahm Bezug auf den SPD-Antrag A0480/11 und wollte etwas über Alternative Produkte zur Gewinnung von Solarenergie auf dem Rathausdach wissen und bekam folgende Antwort (pdf):

Nun dauerte es knapp zwei Jahre bis sich die nächste Stadträtin im Oktober 2016 mit der Anfrage AF1396/16 an das Thema Photovoltaik wagte. Die Anwort (pdf) der Stadtverwaltung vom 20. Oktober 2016 umfasst nicht nur 18 Seiten, sondern enthält (als Anlage) auch eine Vorlage, die (wohl) nie die Gremien des Stadtrates erreichte und somit auch nicht im Ratsinfo aufzufinden war. Die wichtigsten Aspekte wie Brandschutz, Statik, Versicherung und kostenlose Zur-Verfügungstellung von Dachflächen sind den folgenden Fotos zu entnehmen:

Nicht nur die Tatsache, dass die Stadt Dresden bereits seit Jahren kostenlos Dachflächen zur Verfügung gestellt hatte, sondern auch die Ratsbeschlüsse aus den 1990ern werfen ein ungünstiges Licht auf die hilflosen Versuche einzelner Fraktionen rund um das Thema Photovoltaik und auf diese selbst.

Am 9. März 2017 reicht die selbsternannte Gestaltungsmehrheit aus Linken, Grünen und SPD den Antrag A0296/17 mit dem Titel Klimaschutzziele der Stadt erfüllen – Nutzung von Solarenergie beim städtischen Hochbau ein. Dieser wird – nach einem recht kurzen Gremiendurchlauf und ohne jegliche Änderung – am 17. August 2017 vom Stadtrat beschlossen:

Den drei Beschlusskontrollen sind einige Fortschritte zu entnehmen, letztendlich sind die Ergebnisse aber recht übersichtlich. In der aktuellsten Beschlusskontrolle (pdf) vom 11. Juni 2018 zum Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept 2030 zu entnehmen.

Mit Datum 22. Juni 2018 taucht die erste Verwaltungsvorlage (V2492/18) mit dem Titel Errichtung und Betreibung von Photovoltaik-Anlagen (PVA) auf kommunalen Dächern im Ratsinfo auf. Die Vorlage selbst trägt das Datum 13. September 2018 und ist eine reine Informationsvorlage, die dem Stadtrat (offiziell) am 1. November 2018 zur Kenntnis gegeben wird. Darin unterrichtet die Verwaltung den Stadtrat über das nun rechtlich abgesicherte Konzept zur Ausschreibung von Dachflächen an Investoren.

Fazit

In dem für mich – mit Hilfe des Ratsinformationssystems – überschaubaren Zeitraum von zehn Jahren haben vor allem die SPD-Fraktion und die Fraktion von B’90/Die ‚Grünen viele Initiativen gestartet. In den allermeisten Fällen haben die Anträge ganz oder teilweise eine Mehrheit gefunden.

Die Stadtverwaltung hat die Anträge geprüft, oftmals Einwand erhoben und hat bis 2013 das sogenannte Energie- und Klimaschutzkonzept 2030 erarbeitet. Dieses hat der Stadtrat beschlossen und wurde in mehreren Beschlusskontrollen über Fortschritte unterrichtet.

Die Informationen sind für die Bürger nur sehr mühsam zu finden. Noch schwieriger ist das Zusammensetzen der einzelnen Puzzle-Teile. Denn neben der aus meiner Sicht absolut überschätzten Photovoltaik gibt es im Bereich der sogenannten „erneuerbaren Energien“ ja auch noch die Wind- und die Wasserkraft, die Geo- und die Solarthermie und natürlich die Nutzung von Biomasse.

Der Stand zur Photovoltaik zeigt einen recht überschaubaren Beitrag zur Stromerzeugung bzw. zum Klimaschutz:

Momentan befinden sich bereits ca. 27 PV-Anlagen externer Partner auf städtischen Gebäuden mit einer Installierten Gesamtleistung von ca. 650 kWp.

Beschlusskontrolle zu A0296/17 vom 19. Januar 2018

kWp steht für Kilowatt (peak), also für die maximale Energieausbeute. Würden diese 27 Anlagen rund um die Uhr Strom erzeugen, kämen knapp 6 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr zusammen.Die Drewag hat im Jahr 2018 laut Geschäftsbericht 4.344 GWh Strom verkauft, wovon sie knapp 40% selbst erzeugt hat, der Rest (60%) wurde zugekauft.

Beim Studium der Drewag-Geschäftsberichte stieß ich u.a. auf Zahlen zur EEG-Umlage, die die Drewag jährlich an die Netzbetreiber zahlen/abführen muss. Für 2014 und 2015 waren das jeweils rund 160.000.000 €.

Welche anderen „erneuerbaren“Energien werden in Dresden sonst noch genutzt?

Den Bau von Windkraftanlagen im Stadtgebiet hat der Stadtrat bisher ausgeschlossen, über die Nutzung Solarthermie liegen aufgrund der Eigennutzung – meist in/auf Eigenheimen (am Stadtrand) – keine Daten vor, sie dürfte in unseren Breiten aber eine absolut untergeordnete Rolle spielen. Die Erkundung von (Tiefen-)Geothermie ist über Studien nicht hinaus gekommen.

Die Wasserkraft spielt ebenfalls keine Rolle. Bis auf eine Nutzung im Ablauf der Kläranlage Kaditz in die Elbe existiert meines Wissens keine weitere Anlage.

Biomasse wird ebenfalls in der Kläranlage Kaditz genutzt. Dabei wird aus den Abwässern der städtischen Haushalte bzw. aus dem Klärschlamm mit Hilfe von Baktrien in Faultürmen Methan gewonnen. Dieses wird vor Ort sowohl in Wärme (zur Trocknung des Klärschlammes) als auch in Strom für die Eigennutzung umgewandelt.

Die Stadtreinigung verarbeitet in der biologisch-mechanischen Abfallanlage in Klotzsche bis zu 100.000 Tonnen Restmüll pro Jahr zu sogenanntem „Trockenstabilat„, welches einen Heizwert von 12-14 MJ/kg hat und in Zement- und Kraftwerken eingesetzt wird.

Last but not least nutzt auch die Drewag in sehr geringem Umfang Bioerdgas in den Heizkraftwerken, welches allerdings nur einen Anteil von unter einem Prozent hatte.

Schlusswort

„Seht ihr, als wir gescheit waren, mussten wir das Geld in der Fremde verdienen. Jetzt, da wir dumm geworden sind, bringt man’s uns ins Haus!“

Bildnachweis: Torsten-Freche CC BY-SA 4.0

Vielleicht liegt es an der Klimaveränderung…

sagt der Sprecher der „Dokumentation „Die Bienenflüsterer: Nepal – Die Riesenbiene der Gurung“ auf ARTE

Während die nepalesischen Honigsammler auf eine erfolgreichere Honigernte an diesem Standort mitten in den Felsen hoffen, können es sich die Macher dieser Doku nicht verkneifen – wie bei fast allen Natur-Dokus im deutschen Fernsehen – den Klimawandel ins Spiel zu bringen.

Was natürlich nicht zur Sprache kommt, ist, dass die Waben bei dieser „naturnahen“ Art der Honigernte vollständig zerstört werden. Ebenfalls unerwähnt bleibt, dass die nepalesische Bevölkerung sich in den letzten 57 Jahren nahezu verdreifacht hat.

Klar, es kann nur der Klimawandel sein, der für die magere Honigernte an einem einzigen Standort der Felsenbiene in einer Saison verantwortlich ist.

Und das, nachdem knapp 25 von 26 Minuten die Naturnähe der Honigsammler hervorgehoben wurde.

So werden wir durchgängig indoktriniert.

Passend dazu eine fundierte Kritik am vermeintlichen Aussterben der Honigbiene in Deutschland:

Jugendbeteiligung als (SPD-)Wahlkampfmasche?

Vor fast genau einem Jahr stellt die CDU-Fraktion im Dresdner #staDDrat einen Antrag:

Jugendbeteiligung ernst nehmen – Umsetzung des neuen § 47a der Sächsischen Gemeindeordnung

Wie sich der Beratungsfolge im Ratsinformationssystem entnehmen lässt, stand der CDU-Antrag sage und schreibe sechs Mal auf der Tagesordnung des Jugendhilfeausschusses. Ohne es per Presseanfrage erfragt zu haben , gehe ich davon aus, dass es sich „schlicht“ um Vertagungen handelte.

Schließlich wurde der CDU-Antrag am 29. November 2018 endllich behandelt und vom Jugendhilfeausschuss in großen Teilen geändert (Niederschrift, PDF)

Da der Jugendhilfeausschuss bei diesem Antrag federführend war und es die „Regeln“ (Geschäftsordnung) vorsehen, dass der Stadtrat dessen Beschlussempfehlung als Grundlage nimmt, wurde die Behandlung des Antrages im Stadtrat zwei Mal (20. September & 22. November 2018) zurückgestellt.

Am 14. Dezember 2018 reichte die ehemalige, selbsternannte Gestaltungmehrheit aus Rot-Grün-Rot einen Änderungs- bzw. Ergänzungsantrag ein:

Weitere sechs Male wurde der Antrag bzw. dessen Behandlung im Stadtrat zurück gestellt bzw. vertagt, zuletzt am 9. Mai 2019.

Nun steht der Antrag am 6. Juni, also kurz nach der Kommunalwahl am 26. Mai, (voraussichtlich) erneut auf der Tagesordnung.

Und wer kommt am 10 Mai 2019, also vor fünf Tagen, mit einem Antrag um die Ecke, der identisch mit der Beschlussempfehlung des Jugendhilfeausschusses ist? Die SPD-Fraktion: Jugendbeteiligung jetzt wirklich ernst nehmen!

Deren Antrag wird am 16. Mai 2019, also morgen, ebenfalls vom Jugendhilfeausschuss behandelt, sodass damit zu rechnen ist, dass er ebenfalls am 6. Juni auf die Tagesordnung des Stadtrates kommen wird.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass der CDU-Antrag ein Jahr lang im Geschäftsgang des Stadtrates war, vom Jugendhilfeausschuss maßgeblich verändert worden ist, um dann von der SPD-Fraktion kurz vor der Wahl mit dem gleichen Text (und der gleichen Begründung) erneut eingereicht zu werden.

Liebe Jugend, liebe Bürger, ihr dürft euch verarscht vorkommen!

Hans Rosling über das (zukünftige) Wachstum der Weltbevölkerung

Hans Rosling war Professor für Internationale Gesundheit am Karolinska Institutet und Direktor der Gapminder-Stiftung in Stockholm. Er hat – über die Jahre mehrere sogenannte TEDtalks (Kurzvorträge) gehalten, die mich sämtlichst sehr beeindruckt haben.

Er zeichnet ein wesentlich positiveres bzw. optimistischeres Bild von der Zukunft der Menschheit, als es uns die Apologeten des bevorstehenden Weltuntergangs täglich (über die Massenmedien) zu vermitteln versuchen.

Anhand von Visualisiserungen mit der von ihm und seinem Sohn entwickelten Software „Gapminder“ zeigt er die Zusammenhänge von Kindersterblichkeit und Geburten(rate) pro Frau auf.

Einen Zusammenhang zwischen Religion und Geburtenrate lässt sich aus seiner Darstellung nicht heraus lesen.

Guckt es euch unbedingt an, es gibt Untertitel in jeweils bis zu 50 Sprachen.

funfacts zur #Energiewende

Immer wieder werden wirmit Zahlen zu sogenannten „erneuerbaren Energien“ beglückt.

funfact #1

Eine große Rolle dabei spielt die „installiere Leistung“ von Windkraftanlagen.

Kurz: es gab im Jahr 2017 rund 28.675 Windkaftanlagen mit einer (theoretischen) installierten Leistung von rund 61.000 MW(Megawatt) oder umgerechnet 61 GW (Gigawatt).

Somit könnten sämtliche Anlagen zusammen – über das Jahr (8766 Stunden) gesehen – rund 534 TWh (Terrawattstunden) Strom produzieren. Tatsächlich lieferte die Windenergie aber nur 106,6 TWh im Jahr 2017. Das entspricht einer „Verfügbarkeit“ (Effizienz) von rund 20% im Vergleich zur installierten Leistung.

Quelle: Windenergiestatistik Deutschland (Wikipedia)

funfact #2

Die Geothermie (Nutzung von Erdwärme) ist immer wieder mal Thema in den Medien bzw. der öffentlichen Debatte.

Dazu habe ich folgende Zahlen gefunden:

Es gibt aktuell 37 Anlagen der sogenannten „tiefen Geothermie“ (Bohrtiefe > 400m) mit einer installierten Wärmeleistung von 336,51 MW (Megawatt) und einer installierten elektrischen Leistung von 37,13 MW.

Dazu kommen rund 390.000(Klein-)Anlagen der „oberflächennahen Geothermie“ (Bohrtiefe < 400 m) mit einer installierten Leistung von 4.290 MW (Megawatt). Damit hat eine durchschnittliche (Klein-)Anlage eine Leistung von etwa 11 KW (Kilowatt).

Die daruch bereitgestellte Energiemengen beliefen sich im Jahr 2016 auf:

Strom : 0,162 TWh (= jährlicher Strombedarf von etw. 46.000 Zweipersonen-Haushalten)

Wärme: ca. 9,1 TWh (= jährlicher Wärmebedarf von 650.000 Zweipersonen- Haushalten)

Quelle: Bundesverband Geothermie – Geothermie in Zahlen